DSGVO: Fotos auf dem eigenen Blog


DSGVO: Fotos von Veranstaltungen und öffentlichen Plätzen werden problematisch

DSGVO: Fotos auf dem eigenen Blog

Hallo ihr Lieben,

ich melde mich heute mit einem leidigen Thema bei euch: Die DSGVO (Datenschutzgrundverordnung) tritt am 25. Mai 2018 in Kraft und alle Blogger und Website-Besitzer haben sich wahrscheinlich schon etwas ausgiebiger damit beschäftigt. Die Infos über nötige Anpassungen gibt es ja mittlerweile in aller Ausführlichkeit im Netz zu finden. Was aber völlig an mir vorbei gegangen ist: Es wurden nicht nur die Richtlinien für die Websites angepasst, sondern auch die Regeln für die Speicherung und Veröffentlichung von Fotos!

Fotos von Menschenmengen künftig illegal?

Gestern kam unser Anzeigenleiter des Verlages ins Büro gestapft und erklärte uns, dass zum 25. Mai ja die neue Datenschutzverordnung in Kraft tritt und wir dadurch keine Bilder von freien Mitarbeitern mehr veröffentlichen dürfen, auf denen Personen abgebildet sind. Über meinem Kopf kreiste sofort ein großes Fragezeichen. Websites, Cookies, Kommentarfunktion und Co. hab ich schon gehört, aber Fotos?!? Kaum war der Anzeigenleiter aus dem Büro, schmiss ich die Suchmaschine meines Vertrauens an und klickte mich durch die Ergebnisse.

Unter diesem Link zum Magazin “Lead” der W&V fand ich dann aufschlussreiche Infos, wie weit dieses neue DSGVO-Gesetz der EU eigentlich reicht. Es betrifft also nicht nur Zeitungen, sondern selbst Hochzeitsfotografen, Sportredakteure, Streetfotografen und alle, die aus einem “beruflichen” Zweck fotografieren. Also auch uns Blogger! Privatfotografie für das Familienalbum bleibt natürlich außen vor.

Der nächste Messebesuch wird… interessant.

Man stelle sich nun also mal vor, ich reise im Oktober zur Frankfurter Buchmesse und möchte natürlich von meinen Erlebnissen berichten. Ein Foto von der Messe zu machen, ohne weitere Passanten/Besucher auf dem Bild zu haben, dürfte sich etwas schwierig gestalten. Denn jede erkennbare Person müsste laut Gesetz eine schriftliche Einverständniserklärung unterschreiben, dass ich das Foto speichern und veröffentlichen darf. Da bleiben dann ja quasi nur Bilder von Bücherregalen und dem Fußboden übrig, um keine Rechte zu verletzen.

Das Recht am eigenen Bild

Bisher war das Gesetz für Fotografen in meinen Augen recht simpel gestaltet. Solange das Bild auf einer öffentlichen Veranstaltung (wie der Buchmesse) geschossen wurde und keine Person speziell hervor gehoben wurde (in Form eines Portraits), sondern in die Masse fotografiert wurde, durfte das Bild ohne besondere Genehmigung veröffentlicht werden. Damit ist es nun wohl vorbei!

Warum das ganze Theater?

Als ich den Artikel gelesen habe, bildete sich recht schnell eine Frage in meinem Kopf: Wozu das ganze Theater? Das sind gottverdammte Bilder, die Leute erkennt doch sowieso niemand und ich werde wohl kaum jeden Namen in die Bildunterschrift schreiben! Tzja, in Zeiten von Gesichtserkennung und schlauen Kameras kann man eben mit Fotos weitaus mehr anstellen, als nur anzugucken. Die Kameras & Handys speichern mittlerweile in den EXIF-Daten weitreichendere Infos, als es eine Analogkamera konnte. So wird beispielsweise das Datum, die Uhrzeit und teilweise der Standort gespeichert. So könnten aus Fotos ganze Profile einzelner Personen erstellt werden und genau das soll mit der DSGVO geschützt werden. Laut besagtem Artikel ist noch nicht mal klar, ob eine einfache Verpixelung der Gesichter ausreicht, um die Fotos trotzdem veröffentlichen zu dürfen.

Und nu? Schnöde Selfies vor weißer Wand?

Länder, wie Schweden und Österreich haben rechtzeitig reagiert und Ausnahmeregelungen getroffen um das Presserecht zu schützen. Deutschland hat das (vielleicht auch wegen der schleppenden Regierungsbildung) glorreich verpennt. Nun tritt das EU-Gesetz am 25. Mai erst mal in Kraft und dann werden wir ja sehen, ob und wann die Regierung reagiert. Wenn sich am Gesetz nichts mehr ändert, dann werden wohl Gerichte entscheiden, wie eng man den Rahmen in Bezug auf Veranstaltungsbilder etc. setzen muss und ob man wieder guten Gewissens auf der Messe in die Menge fotografieren darf.

Da ich keine Rechtsberatung geben kann und darf bitte ich euch: Informiert euch ausführlich und schätzt dann selbst ein, wie ihr mit den neuen Regelungen umgehen wollt um möglichst sicher vor gierigen Abmahnanwälten zu sein.

Ich wünsche euch einen schönen freien Feiertag und eventuell ein tolles verlängertes Wochenende!
Ich muss morgen noch mal ranklotzen, habe aber im Anschluss eine Woche Urlaub und werde mich mit toller Lektüre auf die Terrasse pflanzen. Wünscht mir Sonne!

Eure Andraya

 

“Die Kameras & Handys speichern mittlerweile in den EXIF-Daten weitreichendere Infos…” Und wie wäre es, derlei Speicherung zu untersagen? Dann würde auch das Argument des Datenschutzes entfallen….
Mir scheint, mit der DSGVO versucht man, einem durchgegangenen Pferd Scheuklappen anzulegen, anstatt es erstmal einzufangen. Die Datenspeicherei samt Datenverkauf ist (war?) ein fabelhaftes Geschäftsmodell, Polizei und Verfassungsschutz sammeln ebenfalls tüchtig- und das soll jetzt alles einfach nicht mehr gelten? Man will mich schützen?? Dass ich nicht lache.

Seit wann beschließt die EU oder auch unsere Regierung in Bezug auf Technik und Internet praktikable Gesetze? Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass die EU mit diesem Gesetz mit Kanonen auf Spatzen schießt und in der Mehrheit die falschen betroffen sind, nämlich die kleinen Leute und nicht die Großkonzerne.

Was mein Nutzerverhalten im Internet angeht oder sonstige “schleichende” Daten bin ich mittlerweile völlig abgestumpft. Wenn die Konzerne meine Daten und mein Verhalten analysieren, schaden sie mir nicht direkt und von daher ist es mir relativ schnuppe. Meist sind mir Datenschützer suspekt und der ganze Aufwand rund um die DSGVO geht mir eigentlich hauptsächlich auf den Zeiger 😉 Aber da gibt es geteilte Meinungen und das akzeptiere ich völlig. Es sollte jeder die Wahl haben, wie viel er von sich preisgibt.

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